Ein Kratzer, eine Schmarre, ein Insektenstich und schon kann das Bein immens dick anschwellen. Aber was nun, was tun? Eine Phlegmone ist immer ein Notfall, da es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Ziehe immer einen Tierarzt hinzu, um die Diagnose stellen zu lassen und über Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt zu werden

Was ist überhaupt Phlegmone?

Eine Phlegmone ist eine bakterielle Infektion des Unterhautbindegewebes und der Lymphgefäße. Ursache dafür sind sich schnell verschließende kleine Wunden oder auch Insektenstiche. Auch Mauke kann eine perfekte Eintrittspforte für Erreger sein. Im Prinzip kann jeder Teil des Pferdekörpers betroffen sein, aber meist sind es die Beine die anschwellen, insbesondere die Hinterbeine. Die Phlegmone kann mit oder ohne Abszessbildung von statten gehen.

Phlegmone erkennen

Auf den ersten Blick sieht man sofort ein stark angeschwollenes Bein. Auffällig ist auch die Berührungsempfindlichkeit des betroffenen Bereichs, wie zum Beispiel das Hinterbein. Die Stelle fühlt sich meist warm an. Oft bekommt das Pferd hohes Fieber, wirkt abgeschlagen und müde und verweigert zudem die Futteraufnahme. Diese Entzündung breitet sich sehr schnell aus. So kann binnen weniger Stunden aus einem harmlosen Insektenstich am Bein, eine sehr großflächige Schwellung entstehen.

Oft gehen die Pferde stark lahm oder belasten das angeschwollene Bein gar nicht mehr. Auch Muskelzittern kann aufgrund der starken Schmerzen und des Fiebers auftreten. In manchen Fällen kann es durch die Überbelastung des gegenüberliegenden Beins auch zu einer Belastungsrehe kommen. Jetzt heißt Ruhe bewahren und den Tierarzt kontaktieren, schildere die Situation so genau wie möglich. Desto mehr Details, desto besser.

Wie hilft der Tierarzt?

Der Tierarzt untersucht dein Pferd und wird Anhand des Zustandes deines Pferdes und dessen Symptome herausfinden, ob es sich um eine Phlegmone handelt oder “nur” um eine Prellung oder Ödem.
Wird die Phlegmone diagnostiziert, wird ein Breitbandantibiotikum und ein Entzündungshemmer gespritzt. So wird die Entzündung eingedämmt und dem Erreger der Gar aus gemacht.  

Für die nächsten Tage lässt dir dein Tierarzt Medikamente für die weitere Behandlung da. Die du deinem Pferd selbst ins Maul oder übers Futter verabreichen kannst. Aber natürlich kannst du auch selbst noch mehr tun, um dein Pferd bei der Genesung zu unterstützen.

Eigeninitiative ist gefragt

Bevor der Tierarzt eintrifft, kannst du den betroffenen Bereich kühlen, um die Ausbreitung der Entzündung einzudämmen. Stelle dein Pferd in eine Box, damit es sich so wenig wie möglich bewegt und die Erreger nicht noch weiter im Körper verteilt werden .

Wenn die Antibiotika verabreicht wurden und das Fieber sinkt (meist am nächsten Tag) solltest du  dein Pferd wieder mehrmals täglich im Schritt bewegen, um den Abtransport der Flüssigkeiten zu fördern. Je nachdem wie stark die Phlegmone ausgeprägt war und dein Pferd “laufwillig” ist, kann dies zwischen 10-30 Minuten sein.

Weiterhin können wärmende Bandagen und/oder Angussverbände hilfreich sein. Dazu nimmt man entweder nur warmes Wasser oder man fügt ein Antiseptikum hinzu.

Faktor Zeit – Nicht zu lange warten

Wird die Phlegmone nicht rechtzeitig behandelt, können sich unter anderem auch schmerzhafte  Abszesse bilden. Diese können lebensbedrohlich werden, wenn sie zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Ebenso kann eine Phlegmone auch chronisch verlaufen.

Bei einer chronischen Phlegmone handelt es sich um teilweise oder vollständige Anschwellungen der betroffenen Bereiche des Körpers, infolge von chronischen Lymphödemen, . In diesem Stadium der Erkrankung, ist das Pferd nicht mehr bis zum Ursprungszustand mittels Medikamenten beeinflussbar, sondern lediglich begleitend. Hier wäre die Manuelle Lymphdrainage, die beste Option. Ein paar Handgriffe zeigt dir auch deine Tierphysio.

Der wichtigste Faktor für ein schnelles Abschwellen, ist die Zeit. Je schneller die Behandlung des Tierarztes in Kombination der manuellen Lymphdrainage erfolgt, umso besser verläuft der  Heilungsprozess.

Schütze dein Pferd

Phlegmone ist schmerzhaft für dein Pferd. Damit es gar nicht erst dazu kommt, kannst du schon vorab einiges für dein Pferd tun:

  • Lasse in der Box, im Auslauf und auf der Weide keine kantigen oder scharfen Gegenstände liegen
  • Täglicher Check up, schau dir dein Pferd genau an und versorge kleine Wunden sofort um Entzündungen vorzubeugen
  • Kontrolliere deine Koppelzäune regelmäßig auf Schäden
  • Nutze beim Ausreiten Wege und reite nicht durch Dickicht und Gestrüpp
  • Verwende im Sommer Fliegenspray um vor lästigen Insekten und Stichen zu schützen

Hatte dein Pferd bereits eine Phlegmone? Vielleicht hast du noch weitere Tipps