Melasse in der Pferdeernährung

von | Sep 18, 2019

Fett ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Pferdefütterung geworden. Vor allem in Zeiten des Fellwechsels gilt es als üblicher Futterzusatz. Doch zu welchem Zweck? Kaum jemand kennt seine entscheidende Rolle in der Pferdeernährung. Wir bringen heute Licht ins Dunkel.

Melasse – die Ursache allen Übels?

Zucker – im Speziellen Melasse – wird heute oft verteufelt. Im Allgemeinen gilt Sie schlicht als schädlich. Doch zurecht? Traditionell galt Melasse viele Jahrhunderte als legitimer und effektiver Bestandteil der Pferdeernährung. Nach der Entdeckung durch Christoph Kolumbus waren melassiertes Futtermittel das bevorzugte Kraftfutter für Pferde die Landwirtschaftlich hohe Leistung bringen mussten, oder im Sport erfolgreich sein sollten.

Also was ist denn nun mit Melasse? Wie so oft hilft es etwas Abstand zu nehmen und das gesamte Bild zu betrachten.

Mineralstoffbombe Melasse.

Richtig eingesetzt ist Melasse der beste Chromlieferant in der Pferdeernährung! Melasse enthält etwa 2,6 mg Chrom pro Kilogramm. Hefe enthält im Vergleich nur 0,05 mg pro Kilogramm. Das sind 5200% Unterschied! Melasse ist einer der besten Chromlieferanten der Welt.

Das obige Beispiel ist eines von vielen das zeigt, dass Melasse über Inhaltsstoffe verfügt die in dieser Konzentration und Kombination in keinem anderen Futtermittel zu finden ist. Wer also in der Ernährung seines Pferdes auf melassiertes Futter verzichtet muss sich eingestehen, dass er seinem Pferd einige Nachteile beschert.

Müslis – der wahre Übeltäter

Die aktuelle Hexenjagt auf Melasse in Bezug auf Hufrehe, EMS und ECS haben ihren Ruf vernichtet und Sie allgemein in Verruf gebracht. Der eigentliche Übeltäter sind allerdings melassierte Müslis die konserviert und aromatisiert wurden. Ihr hoher Stärke- und Chemikaliengehalt belastet die Leber stark und führt vor allem bei chronisch unterbewegten Pferden zu großen Folgeschäden. Die dadurch verursachte Umstellung auf zuckerhaltige Substanzen wie Apfeltrester oder Apfelsirup hat einigen Futtermittelhersteller neue Absatzquellen geschaffen, muss aber in der Sinnhaftigkeit kritisch hinterfragt werden.

Vor allem der hohe Fruktose Gehalt bei gleichzeitiger Mineralstoffarmut ist keine keine Verbesserung im Vergleich zu Melasse. Darüber hinaus gilt das von Natur aus vor allem in der Schale des Apfels und im Kern enthaltene Phlorizin als toxisch (Zeller, B., Wien 2012

Reines Naturprodukt Melasse

Melasse entsteht zu 100% aus Zuckerrüben, und ist dadurch ein absolut reines Naturprodukt. Sie ist reich an zahlreichen Sekundären Pflanzenstoffe und Spurenelementen wie Chrom.

Chrommangel gilt als Hauptursache für Insulinresistenz bei Pferden. Als Bestandteil des Biomoleküls Chromodulin ermöglicht es der Zelle erst die Glucoseaufnahme. Entgegen der allgemeinen Meinung führt Melasse also nicht zu Insulinresistenz sondern ist viel mehr ihr bestes Gegenmittel. Darüber hinaus fördert Melasse den Energiestoffwechsel und steigert die nervliche Belastbarkeit unserer Pferde.

Die klassische Heu-, Stroh-, und Haferfütterung kann den Chrombedarf eines Pferdes nicht im entferntesten decken. Daher wussten auch schon die Pferdebesitzer des 18ten Jahrhunderts um die große Bedeutung von Melasse in der Pferdeernährung. Insulinresistenz war damals völlig unbekannt.

Kein Angst vor dem Zucker in Melasse

Melasse ist kein Einzelfuttermittel. Die klebrige braune Creme gelangt in der Regel in Pelletform übersprüht in die Futterration.  Sie dient hier der Bindung bzw. Konservierung von wertvollen Nährstoffen.

In dieser Einsatzform sollten Sie sich bitte keine Sorgen um den Zuckergehalt machen. Der Melasseanteil ist hier nur selten über 10% und liegt damit im Höchstfall bei 48 Gramm je Kilogramm Futtermittel. Von diese 48 Gramm sind 24 Gramm Glucose, die unter Insulinausschüttung vom Blut in die Zellen aufgenommen werden. Die Angst vor dem Zuckergehalt in Melasse relativiert sich, vergleicht man diese mit dem Einfluss von Getreidestärke. In Futtermitteln mit einem Getreideanteil von 60 Prozent befinden sich gut 400 Gramm Stärke je Kilogramm. Diese wird in 400 Gramm Glucose gespalten. Dass ist 16 mal so viel wie im melassierten Futtermittel. Stoppen sie also bitte die „Melasse Panik“ und machen sie sich lieber einmal Gedanken über Stärke im Futtermittel.

Fazit – Tradition verpflichtet

Jahrhunderter langer Brauch entsteht nicht durch Hörensagen, sondern durch tatsächliche Ergebnisse in der praktischen Anwendung.

 

Melasse regt seit jeher nicht nur den Appetit arbeitender Pferde an, sondern erstickte Insulinresistenz im Keim, erhöhte die Nervenstärke und Belastbarkeit arbeitender Pferde und trägt dazu bei Depressionen und Konzentrationsstörungen zu verhindern. Das Zellgift Ammoniak wird hierzu von den freien Aminosäuren Glutamin und Glutaminsäure in Melasse gebunden und ausgeschieden.

Dies sind nur einige Vorteile die Melasse mit sich bringt und wir hoffen Ihnen damit eine neue Perspektive auf diesen wertvollen Futterbestandteil gegeben zu haben.