Fett in der Pferdeernährung.

von | Sep 18, 2019

Fett ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Pferdefütterung geworden. Vor allem in Zeiten des Fellwechsels gilt es als üblicher Futterzusatz. Doch zu welchem Zweck? Kaum jemand kennt seine entscheidende Rolle in der Pferdeernährung. Wir bringen heute Licht ins Dunkel.

Warum muss Fett ins Futter?

Ohne Fett gäbe es keine intakten Zellmembranen, kein Vitamin D für die Knochen. Fett ist ein so entscheidender Nährstoff, denn es enthält lebensnotwendige Fettsäuren, die der Körper braucht, um beispielsweise Hormone, Enzyme oder Zellwände aufzubauen. Fette versorgen unsere Pferde darüber hinaus mit den fettlöslichen Vitaminen A, D,  E und K. Fett ist somit lebensnotwendig und  ein entscheidender Bestandteil der Pferdefütterung.

Welche Fette sind entscheidend?

Eine besondere Rolle kommt den mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega 3 und Omega 6 zu.  Je höher der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Zellmembran ist, desto elastischer und anpassungsfähiger und damit auch gesünder ist die Zelle. Sie wirken kontrollierend auf die Talgabsonderung der Haut und die Aktivität von Enzymen. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen werden mehrfach ungesättigte Fettsäuren ebenfalls für die Synthese von Prostaglandinen benötigt. Bei Prostaglandinen handelt es sich um Hormone, welche immunmodulatorische Eigenschaften besitzen und somit Richtung und Stärke einer entzündlichen Reaktion maßgebend beeinflussen. Damit erklärt sich die große Bedeutung der mehrfach ungesättigten Fettsäuren für die Gesundheit, Kraft, Kondition und Nervenstärke unserer Pferde.

Was ist besonders zu beachten?

Entscheidend ist hierbei die gezielte Bereitstellung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Studien haben ergeben, dass Omega-3-Fettsäuren die Grundlage für die Synthese  entzündungshemmend wirkender Gewebshormons (Prostaglandin 3) sind. Eine weitere wichtige Fettsäure ist die Omega-6-Fettsäure. Sie trägt wiederum zur Bildung von Prostaglandin 1 bei. Ebenso wie Prostaglandin 3 wirkt auch Prostaglandin 1 entzündungshemmend

Allerdings ist Omega 6 auch Vorläufer der mehrfach ungesättigten Arachidonsäure, die zur Bildung von Prostaglandin 2 nötig ist. Dieses Gewebshormon verstärkt jedoch Entzündungsgeschehen. Hohe Insulinspiegel, bedingt durch Futterrationen mit einem hohen Anteil leichtverdaulicher Kohlenhydrate und einem Mangel an Omega-3-Fettsäuren führen zur verstärkten Bildung dieser Entzündungsfördernden Fettsäure. 

Nun stellt sich die Frage, ob die Zufütterung von Fett in der heutigen Nutzung und Haltung von Pferden Sinn macht. Früher hat das Pferd, wenn auch in kleineren Mengen, natürlicherweise Omega-3-Fettsäuren und weitere essentielle Fettsäuren, über Gräser und Samen aufgenommen (essentiell: muss über Nahrung aufgenommen werden – kann das Pferd nicht selbst bilden). Heute stehen Pferde die meiste Zeit des Jahres auf mehr oder weniger abgefressenen Weiden und erhalten spät geschnittenes Heu, sodass ein Mangel an essentiell mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z.B. Omega-3-Fettsäuren) entstehen kann.

Erhalten diese Pferde zusätzlich noch Kraftfutter mit einem hohen Getreideanteil, entsteht oftmals ein Überschuss an Omega-6-Fettsäuren im Organismus. Entscheidend für die positiven Auswirkungen der Fettsäuren auf die Stoffwechselvorgänge ist aber ihr Verhältnis zueinander. Hierbei sollte der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren mindestens dem der Omega-6-Fettsäuren entsprechen.

Welches Fett sollte man zufüttern?

Die für die Pferdefütterung bestimmten Fette sollten einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweisen, im speziellen einen hohen Omega-3-Fettsäuregehalt.

Ernährungsphysiologisch betrachtet liegen Algenöl und Fischöl als natürliche Marine Fettquellen ganz vorn. Ihr hoher Anteil an DHA und EPA (besondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren die vor allem auf Neuronaler- und Stoffwechsel- Ebene herausragende wissenschaftliche Anerkennung genießen) macht Sie so besonders. Aus der Tatsache, dass Fischöl vom Pferd eher ungern aufgenommen wird, können wir die Fütterung eines Vegetariers mit Fischöl nicht empfehlen.

Fazit

Heute haben wir die gesundheitlichen Vorteilen von Fetten in der Fütterung kennengelernt. Sie werden vor allem zur Verbesserung von Fell, Haut- und Hufstruktur eingesetzt und dienen darüber hinaus zur Förderung der Fruchtbarkeit und der Fließfähigkeit des Blutes. Durch ihren gezielten Einsatz kann die Stärkezufuhr vermindert werden, was den Insulinhaushalt entlastet und die Leistungsfähigkeit steigert.

Will man spezielle gesundheitliche Effekte über die Bildung von Prostaglandinen erzielen, macht der gezielte Einsatz von mehrfach ungesättigten Fettsäuren Sinn.

Merke:Prostaglandine sind Gewebshormone, die kontrollierend auf die Talgabsonderung der Haut wirken können, Enzyme hemmen, die Gewebsschäden verursachen, ja sogar das Verhalten beeinflussen können. Sie harmonisieren das Immunsystem und beeinflussen das Allergiegeschehen positiv, verhindern das Verklumpen der Blutplättchen und verbessern Fruchtbarkeit von Stute und Hengst.

Fett spielt also eine entscheidende Rolle in der heutigen Pferdeernährung die aufgrund der modernen Stallhaltungsbedingungen besonderes Augenmerk verdient.